#14 Rechtssicherheit statt Reporting-Chaos: Dr. Dietmar Dokalik über CSRD, Omnibus und das neue NaBeG
Shownotes
In dieser Folge von "Wir leben Nachhaltigkeit – Der BDO Podcast" spricht Gastgeberin Johanna Heidenreich mit Dr. Dietmar Dokalik über das neue Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG) und dessen praktische Umsetzung der CSRD in Österreich. Gemeinsam beleuchten sie, was sich für Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung wirklich ändert, warum die späte Umsetzung zugleich ein Vor- und Nachteil war und welche Rolle die Omnibus Richtlinie für die kommenden Berichtsjahre spielt.
Dr. Dietmar Dokalik ist leitender Staatsanwalt und im Bundesministerium für Justiz Leiter jener Abteilung, die unter anderem für die Rechnungslegung zuständig ist. Er war österreichischer Delegierter im EU Rat zur Bilanzrichtlinie und gilt als Mastermind hinter dem NaBeG. Im Gespräch erklärt er, warum die Wesentlichkeitsanalyse der zentrale Hebel für ein zukunftsfit gestaltetes Geschäftsmodell ist, wie verlässliche ESG Daten Finanzmarktteilnehmer:innen helfen und weshalb das Sanktionsregime in Österreich bewusst moderat ausgefallen ist.
Ideal für CEOs, CFOs, Aufsichtsrät:innen, Nachhaltigkeitsverantwortliche sowie Rechts und Compliance Teams, die verstehen wollen, wie sie CSRD, ESRS und NaBeG strategisch nutzen können, statt sie nur als zusätzliche Bürokratie zu sehen.
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00:00:02: Herzlich willkommen zu Wir leben Nachhaltigkeit, dem BDO-Podcast.
00:00:07: Mein heutiger Gast ist Dr.
00:00:09: Dietmar Dokalik, Leiter in der Staatsanwalt und im Bundesministerium für Justiz, leider je eine Abteilung die unter anderem zuständig ist für die Rechnungslegung.
00:00:18: Er hat als österreichischer Delegierte die Bilanzrichtlinie im Rat mitverhandelt vor allem aber auch das Mastermind hinter dem neuen österreichischen Nachhaltigkeitsberichtsgesetz um dass es heute hier in dieser Folge geht.
00:00:31: Gemeinsam analysieren wir, was CSID und Omnibus für Unternehmen tatsächlich bedeuten wie Österreich die europäischen Vorgaben umsetzt und wo die Reise regulatorisch noch hingeht.
00:00:41: Herr Duckele, herzlich willkommen!
00:00:43: Ich freue mich sehr, dass Sie da sind.
00:00:44: Hallo, grüß Gott.
00:00:46: Die CSID, also die Corporate Sustainability Reporting Directive, regelt den Nachhaltigkeitsberichterstattung auf europäischer Ebene.
00:00:54: wenn sie die CSID in knappen Sätzen präzise erklären müssten Was ist der Kern dieser Richtlinie?
00:01:01: Worum geht es?
00:01:03: Die CSRD löst die NFRD ab, also die nicht finanzielle Berichteerstattung.
00:01:11: Es gab bisher schon Verpflichtungen von Unternehmen über ihre nicht finanzielle Key Performance Indicators, also über ihre non finanziellen Messgrößen im Lagebericht zu berichten.
00:01:24: Das war allerdings nicht besonders einheitlich und nicht besonderer Detailtiefe geregelt.
00:01:31: Und die CSRD, die macht jetzt den Nachhaltigkeitsberichterstattung im Lagebericht vergleichbarer und unterwirft sie auch einer gesetzlichen Prüfung.
00:01:43: Das ist natürlich für die Unternehmen ein riesiger Schritt weil Sie müssen die Nachhaltigkeitsberichterstattung in ihrer Vorstandsebene implementieren.
00:01:54: Sie müssen sie in den Aufsichtsräten verankern, sie haben eine Prüfpflicht.
00:02:00: also dieses ganze Berichtswesen wird sozusagen verbindlicher.
00:02:04: es soll auf eine Stufe mit der Finanzberichtestattung gehoben werden.
00:02:08: das ist das Ziel des ISAD.
00:02:11: Die EU gibt diese Richtlinie vor, Österreich muss umsetzen.
00:02:15: Ab wann beginnt dann in Österreich die operative Umsetzungsarbeit?
00:02:21: Ja...die CSID ist entstanden in einer Zeit wo man noch sehr auf den Green Deal der Kommission Wert gelegt hat, also auch für eine Transformation der Wirtschaft mehr in Richtung Nachhaltigkeit.
00:02:38: In Richtung insbesondere Umwelt- und Klimaschutz.
00:02:42: Deswegen war diese Richtlinie sehr ambitioniert.
00:02:44: Sie ist Ende des Jahres zweiundzwanzig erlassen worden und hat was für eine Richtlinien dieser Auswirkung untypisches nur eine Umsetzungsfrist von einen halben Jahren gehabt.
00:02:56: Und wir wollten den Unternehmern ursprünglich genug Zeit geben, weil die Richtlinie wäre schon anwendbar gewesen für Bilanziare, die ab ersten, ersten, vierundzwanzig beginnen.
00:03:08: Das heißt in der Praxis um fürs Viererzwanzigerjahr berichten zu können muss man schon die Wesentlichkeitsanalyse vorabgemacht haben, muss man so sozusagen Instrumentarien im Unternehmern implementiert haben, schon im Jahr vierundzwanzig.
00:03:27: Das heißt unser Wunsch war es ursprünglich schon im Jahre dreiundzwantig einen Parlamentsbeschluss herbeizurufen.
00:03:34: das heißt wir haben sehr früh operativ begonnen mit der Umsetzung.
00:03:38: Wir haben schon im jahr zwanzig wo die Richtlinie noch gar nicht im Amtsblatt war Haben wir schon eine Stekholersitzung gemacht Mit dem Ziel Das Nachhaltigkeitsberichtsgesetz, zu verabschieden und dazu ist es letztlich leider ja nicht gekommen.
00:03:53: Wir haben jetzt erst am neunzehnten Zweiten, sechsundzwanzig also man muss sagen mit fast zwei Jahren Verspätung im Vergleich zu unserem ursprünglichen Zeitplan haben wir diese Richtlinie erst ins Bundesgesetz gebracht.
00:04:09: Weshalb dieser zeitliche Verzögerung?
00:04:12: Ja das hat ganz verschiedene Gründe.
00:04:20: Diese erste Aufbruchstimmung, die mit der Veröffentlichung des CSAT einhergegangen ist recht bald gewichen einer Ernüchterung was das in der Praxis bedeutet.
00:04:34: Insbesondere weil ja zum Zeitpunkt der Erlassung der Richtlinie die Standards noch nicht fertig waren.
00:04:42: Dazu muss man sagen, dass die CSRD nur sehr rudimentäre Vorgaben gibt wie so ein Nachhaltigkeitsbericht ausschauen soll und das meiste soll durch einen Standardsetter beschlossen werden.
00:04:54: Das ist die EFRAC und die hat sozusagen erst angefangen zu arbeiten mehr oder weniger mit Veröffentlichung der Richtlinien am Amtsblatt und obwohl sie unglaubliches geleistet haben sind also die ISRS einige Monate später in Kraft getreten und erst dann haben sich die Unternehmer so richtig damit beschäftigt, was das eigentlich bedeutet.
00:05:17: Also es hat ein bisschen einen Verzögerungseffekt gebracht und dann hat sich sozusagen im Jahr ... ... im Jahr... ... im Jahre ... ... ist dann ... ... die Signapleite dazugekommen.
00:05:32: Ende ... ... Anfang ... ... da hat die damalige Justizministerin versucht auch noch Inhalte der Signalpleite zu regeln mit diesem Nachhaltigkeitsberichtsgesetz.
00:05:46: Man hat versucht die Offenlegung von Unternehmensinformationen stärker zu überprüfen und gegebenenfalls auch stärker bestrafen, da konnte man sich aber in der Koalition nicht einigen.
00:05:58: Ein weiterer Grund ist außerdem dass das Regelwerk sehr unfassend ist.
00:06:02: Man musste nicht nur das UGB für das ich prinzipiell zuständig bin, die ganzen Berufsordnungen der Wirtschaftsprüfer, die in ihrer Ausbildung erst einmal die Voraussetzungen integrieren mussten um solche Nachhaltigkeitsberichte prüfen zu können.
00:06:23: Also es musste das WTBG geändert werden.
00:06:26: Es musste die Zertifizierung von Abschlussprüfern im Abschlussprüferaufsichtsgesetz geändert extra geregelt werden.
00:06:36: Es mussten sektorspezifische Regelungen getroffen werden für bösenotierte Gesellschaften, also es waren mehrere Ministerien beteiligt.
00:06:45: das ist letztlich ein sehr umfangreiches gesetzes Kompendium geworden.
00:06:49: und dann was der letzte Todesstoß sozusagen war, waren die neue Wahlen im Jahr vierundzwanzig.
00:06:59: Im Herbst vierund zwanzig gab's drei umfangreiche und weichenstellende Wahlen, sowohl auf internationaler Ebene waren es die Wahlen in Amerika, wo der Präsident Trump letztlich gewählt worden ist.
00:07:15: Es war die neue Aufstellung der Kommission – die wahlen zum Europaparlament – und es waren auch die Wallen zum österreichischen Nationalrat.
00:07:22: Und diese drei Wahlen haben dann letztlich eine Trendwende eingeleitet so dass dann ab Sommervierundzwanzig, unmittelbar Vorderwahl und auch danach nichts mehr gegangen
00:07:37: ist.
00:07:37: War die späte Umsetzung jetzt eher ein Nachteil oder würden Sie sagen es war auch ein Vorteil weil man so diese Dynamik, die in der Zwischenzeit auch in der EU geherrscht hat besser absehen hat können?
00:07:51: Also was jetzt zum Beispiel ohne Bus betrifft?
00:07:53: Ja ich bin als Legist ein Verfechter von Rechtssicherheit.
00:08:01: Ich glaube, dass die Unternehmen das Recht und den Anspruch stellen können, sichere Gesetzeslage zu haben anhand derer sie berichten können.
00:08:12: Deswegen war die späte Umsetzung aus meiner Sicht ein Nachteil weil ja Die Richtlinie schon für Bilanzjahre, die diese Verpflichtung eingeläutet hat.
00:08:25: Das bedeutet, dass die betroffenen Unternehmen das Ganze nicht gewusst, was jetzt kommt.
00:08:30: Die Unternehmen brauchen auch Planungssicherheit und Abschlussprüfer, die neue Kandidatinnen ausbilden müssen, die gegebenenfalls Experten einstellen müssen.
00:08:45: Diese Rekrutierungsarbeit dauert auch seine Zeit.
00:08:48: Also insofern finde ich weiß ein Nachteil.
00:08:51: Auf der anderen Seite jetzt natürlich rückblickend betrachtet, wenn man Vierundzwanzig schon gewusst hätte dass die Kommission Anfang des Jahres Fünfundzwantzig einen omnibus-eins Vorschlag vorlegt, der noch dazu diese ganzen Spielregeln während laufenden Spiels ändert muss man sagen.
00:09:11: in dem Fall war es dann doch ein Vorteil das wir es noch nicht umgesetzt haben weil da konnten wir einige Sachen von omnibuse eins bereits mitnehmen.
00:09:18: Aber ganz generell glaube ich, dass die Rechtssicherheit gelitten hat unter dieser späten Umsetzung und das ist für die Akzeptanz des Rechts nicht gut.
00:09:29: Also ich glaube wir haben jetzt – will ich die Schuld gar nicht nur beim österreichischen Gesetzgeber verorten?
00:09:35: Ich glaube auch in der EU hat man da Fehler gemacht, dass man am Anfang zu ambitioniert war.
00:09:46: Natürlich muss die Politik auf die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren.
00:09:52: Das ist schon richtig, aber ich hätte rückblickend den Wunsch gehabt man hätte nicht so ambitioniert.
00:10:01: Man wäre nicht so ambitioniert vorgegangen und hätte längere Fristen vorgesehen für die Umsetzung der Richtlinie, für die Vorbereitung der Unternehmern.
00:10:08: Man hätte vielleicht auf die Standards schon warten können dann wäre das nicht so ein Hin- und Her gewesen.
00:10:13: ganz generell
00:10:15: Welche Probleme löst das Nabeck?
00:10:17: und auf der anderen Seite, welchen Mehraufwand bedeutet es für Unternehmen?
00:10:25: Die Probleme, die das Naveck löst sind insbesondere verlässliche Berichtsdaten zu bekommen um die Auswirkungen der Unternehmern auf die Umwelt und die rückwirkenden Auswirkung an der Klimaänderung auf das Unternehmen selbst darzustellen.
00:10:43: Insbesondere die Finanzmarktteilnehmer brauchen verlässliche Daten.
00:10:48: Und diese verlässlichen Daten werden jetzt durch das NAVEG im Verein mit den ESRS geliefert, die Unternehmen wissen ziemlich genau was sie berichten müssen in welcher Detailtiefe die Abschlussprüfer wissen und was sie prüfen müssen.
00:11:11: letztlich wie ein Unternehmern da steht im Bezug auf Klima-Risiken, wenn es in dieses Unternehmen investiert.
00:11:21: Das sind die Vorteile oder das ist die Lücke, die eigentlich durch den nicht finanziellen Berichterstattung geblieben ist, die adressiert das Nabe jetzt.
00:11:33: Welche Probleme werden nicht gelöst?
00:11:38: Die Standardsetzung ist immer eine Reise.
00:11:41: Wir haben jetzt das erste Set der ESAs, sie werden gerade wieder überarbeitet.
00:11:45: also man muss diese Berichtspflichten immer wieder nachkalibrieren an die geänderten Voraussetzungen und es wird Das wird weiterhin so bleiben, aber es ist auch das Rechnungslegungsrecht ganz generell nie ganz statisch.
00:12:01: Auch die Finanzberichterstattungsstandards werden ständig angepasst und geändert.
00:12:07: Also das ist nichts Neues in der Berichterstatterung.
00:12:12: Und noch einmal zurückzukommen auf den Mehraufwand für Unternehmen?
00:12:19: Wir haben das mal versucht in Zahlen zu fassen, aber das ist natürlich sehr stark abhängig von der Unternehmensgröße und sehr stark von dem was das Unternehmen bisher schon gemacht hat.
00:12:30: Wenn das Unternehmen nach GRE berichtet hat bis her schon dann ist der Umstellungsauffand nicht so schwierig.
00:12:38: wenn das Unternehmen allerdings bis jetzt nur sehr rudimentäre nicht finanzielle Berichte gemacht hat Dann wird es einen erhöhten umstellungsaufwand bedürfen der ja wie gesagt von der Chefetage bis zu den Mitarbeitern, die diese Daten ermitteln müssen reichen kann.
00:12:59: Es hängt auch sehr stark von der Wesentlichkeitsanalyse des jeweiligen Unternehmens ab also in welchem Sektor das Unternehmen ist.
00:13:07: eine OMV die sehr stark mit dem Geschäftsmodell dem Klima Risiko ausgesetzt wird ganz anders berichten müssen, als ein Unternehmen das in der Dienstleistungsbranche verankert ist.
00:13:25: Also leider kann ich Ihnen keine konkreten Zahlen nennen aber allein schon die Abschlussprüfung also die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung kostet den Unternehmer natürlich einige tausend Euro pro Jahr im Vergleich also vergleichbar mit dem Aufwand der auch die finanzielle Berichterstatter und die Prüfung nach sich zieht.
00:13:47: Wo sehen Sie im neuen Gesetz jetzt die wichtigsten Punkte, bei denen Unternehmen wirklich hinschauen sollten?
00:13:54: Naja das Wichtigste ist ich habe sie schon erwähnt die Wesentlichkeitsanalyse.
00:13:58: Das Unternehmen muss sich einmal ganz grundsätzlich Gedanken machen womit verdiene ich mein Geld und sind diese Revenues also diese Umsätze die ich in Zukunft erwarte, sind die gesichert oder sind die abhängig von meinem Geschäftsmodell, wie ändert sich mein Geschäfts-Modell in der Zukunft?
00:14:22: Wenn ich zum Beispiel ein unternehmender Automobilindustrie bin dann muss ich natürlich antizipieren dass die Entwicklung weggeht vom Verbrennermotor.
00:14:32: und wenn ich ausschließlich Komponenten für Verbrennermotor erstelle da muss ich mal überlegen.
00:14:37: Wie adaptiere ich meinen Geschäftsfeld das ich auch in Zukunft wettbewerbsfähig bin?
00:14:43: Gedanken, die sich jedes Unternehmer ganz generell machen sollte und die müssen halt fokussiert werden auf Nachhaltigkeitsaspekte.
00:14:51: Wenn ich ein Unternehmer bin das sehr stark von Rohstoffen abhängig ist, die unter problematischen Bedingungen abgebaut werden muss ich mich fragen was bedeutet es für meinen Unternehmens?
00:15:03: Konzept, wenn diese Ressourcen irgendwann einmal zu Neige gehen.
00:15:07: Wenn ich diese Ressen einmal nicht mehr schöpfen kann, wenn meine Lieferketten unterbrochen werden – solche Gedanken muss ich mir machen als Unternehmern.
00:15:18: und dann muss ich mich überlegen ob ich allfällige Risken die daraus entstehen wie ich sie wegbringen kann dass sich in Zukunft weiterhin Gewinn machen kann.
00:15:28: Das ist die Aus- und In-Perspektive, ich muss mal als Unternehmer ganz neu überlegen was habe ich für einen CO² Fußabdruck?
00:15:38: Was bedeutet das für die Umwelt, für die Ressourcen und letztlich auch dafür wie ich in Zukunft Wirtschaften werde können?
00:15:46: weil wenn die Unternehmen die Lebensgrundlage verändern dann ändern sich natürlich auch das Wirtschaftsverhalten.
00:15:54: also Jeder Impact nach außen hat dann letztlich auch irgendwann Auswirkungen auf das Unternehmen zurück.
00:16:02: Also wenn Sie das so erklären, könnte man ja der Meinung sein die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist jetzt eine Chance sein Geschäftsmodell anzubassen um weiterhin erfolgreich zu sein.
00:16:14: aber wenn man derzeit mit Unternehmen spricht, dann hat man auf deiner Seite das Gefühl okay es ist Bereitschaft da und Interesse Es ist irgendwo ermüdungspürbar und auch ein bisschen Unsicherheit.
00:16:29: Würden Sie sagen, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu unrechtem Imageproblem hat?
00:16:34: Ich glaube das die Vorhersehbarkeit der Politik ganz generell ein Problem ist.
00:16:40: Und das wirkt sich natürlich auf die nachhaltig- keitsberichte Stattung aus.
00:16:44: aber Wir leben halt in einer Zeit der starken Polarisierung und auch der Paradigmenwechsel während wie gesagt Vor fünf Jahren die Transformation zur grünen Wirtschaft an sich konsensfähig war und der Klimawandel das größte Problem, dass die Menschheit derzeit adressieren muss.
00:17:04: Das war konsensfähig!
00:17:07: Dann gibt es natürlich eine Pandemie, die von niemandem vorhergesehen ist, die ganz andere Prioritäten ans Tageslicht bringt – nämlich die Sicherheit der Lieferketten.
00:17:19: haben wir eine Wahl in Amerika, die eine Verschärfung des transatlantischen Klimas mit sich bringt.
00:17:25: Und da haben dann die Menschen wiederum andere Probleme und es wäre an der Politik die Prioritäten auch langfristig so zu setzen dass sie nicht ständig über den Haufen geworfen werden müssen.
00:17:38: Diese Langfristigkeit der politischen Planung geht mir ein bisschen ab weil man eben sehr stark auf die Wählerschichten schielt.
00:17:47: Dadurch entsteht dieses Image-Problem, weil die Wählerschichten meinen ja gut jetzt haben wir den Green Deal eigentlich gekübelt.
00:17:59: Jetzt brauchen wir das Ganze nicht mehr.
00:18:01: Nur es ist immer kurzsichtig gedacht.
00:18:06: Die Wirtschaft denkt zuweilen kurzsichtig.
00:18:09: wenn die Politik sich an langfristige Vorgaben halten würde wie zum Beispiel das Verbrenner aus, dann könnten sich die Unternehmen darauf einstellen und würden entsprechende Schritte setzen.
00:18:24: Und weil wir halt ein bisschen in der Zeit der Unsicherheit und der mageligen Planbarkeit leben, wirkt es letztlich auch auf solche Themen wie die Nachhaltigkeitsberichtestattung
00:18:35: aus.
00:18:36: Was würden Sie sagen ist am Nabeck typisch österreichisch?
00:18:42: Das Nabecks setzt im Wesentlichen eine EU-Richtlinie möglichst wortgetreu, um.
00:18:49: das bedeutet wir haben da nicht sehr viel österreichischen Spielraum hier irgendetwas zu ändern oder zu adaptieren.
00:18:58: Das einzige also es gibt nur ganz wenige Mitgliedstaatenoptionen wie zum Beispiel die Zulassung von independente Schulenservice-Providern von anderen Personen als den Abschlussprüfer für die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
00:19:15: Und die Wahrnehmung dieses Wahlrechts würde ich sagen, ist schon typisch
00:19:18: Österreichisch.".
00:19:20: Weil nicht Fisch und nicht Fleisch.
00:19:22: Wir haben sozusagen eine Öffnungsklausel gemacht, dass wir in der Zukunft uns überlegen ob wir diese IASPs einmal zulassen werden wenn die gesetzlichen Voraussetzungen da sind.
00:19:31: Die sind aber noch nicht da.
00:19:33: also das ist ein bisschen nicht Fischen nicht Fleisch.
00:19:38: Das andere typische Österreichische ist vielleicht das Durchsetzungsregime.
00:19:43: Die Unternehmen hatten sehr viel Sorge, dass inhaltliche Fehler der Nachhaltigkeitsberichterstattung Strafen nach sich ziehen.
00:19:50: Also das Sanktionen-Regime ist sehr reduziert wenn man sich vergleichbare Sanktsionsmöglichkeiten für Falschberichtestattungen in Deutschland oder anderen Ländern anschaut.
00:20:02: Da gibt es natürlich die Möglichkeit bei vorsätzlichen Greenwashing mit dem Strafgericht drohen kann, dass hier eine Staatsanwaltschaft ermitteln kann.
00:20:16: Da gibt es die Möglichkeit auch empfindliche Strafen zu verhängen wenn man wissentlich falsch berichtet.
00:20:21: das ist in Österreich nur sehr abgemildert umgesetzt worden.
00:20:25: Ist das Gesetz dann nicht zahnlos?
00:20:28: Ja, wenn man glaubt, dass jedes gesetzliche Zähne braucht damit es dann auch angewendet wird Dann hat es tatsächlich recht stumpfe Zähnen muss man sagen.
00:20:39: Ich glaube aber, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung letztlich einen Trend aufgegriffen hat der so nicht mehr umkehrbar ist.
00:20:50: Und die Unternehmen sich ernsthaft damit beschäftigen auch den Sinn dahinter verstehen und den Mehrwert für ihre Unternehmern und sich daran halten werden.
00:21:02: Wenn das Regelwerk gut ist, dann findet es auch Akzeptanz und dann braucht es de facto nicht zu hohe Strafsanktionen weil es ohne diese angewendet wird.
00:21:15: Hohe Strafen sind oft erforderlich wenn ein Gesetz in der Akzeptance nicht besonders hoch im Kurs steht.
00:21:25: Das haben wir in der Corona-Bandemie gesehen.
00:21:27: Da gab es Gesetze, die von der Bevölkerung nicht angenommen worden sind und die wurden dann auch noch nicht akzeptiert und dann hat es keinen Sinn massenhaft zu strafen weil dann auch die Strafverfolgungsbehörden damit überfordert sind.
00:21:38: also Es ist immer ein Kaliberieren in der Logistik Und letztlich der Anspruch, die Gesetze so gut zu machen, dass sie durch ihre leichte Anwendbarkeit punkten und dass man daran halt letztlich nicht vorbeikommt wenn man es sinnvoll machen will.
00:21:55: Wir haben das vorher schon ein bisschen angeschnitten.
00:21:58: ich möchte jetzt da nur noch einmal ein bissel mehr ins Detail gehen.
00:22:02: Die Omnibusrichtlinie mit der deutlichen Reduzierung des Anwenderkreises und Erleichterungen in der Berichterstattung ist ja kurz nach Veröffentlichung das Nabeck auch europaweit veröffentlicht worden.
00:22:15: Wie schreibt man jetzt ein Gesetz, wenn sich der Europäische Rahmen in der Zwischenzeit massiv weiter bewegt?
00:22:22: Ja, das war natürlich auch schwer den Parlamentariern zu erklären aber in Wahrheit ist es recht einfach.
00:22:30: Das Nabe gilt für Geschäftsjahre, Vierundzwanzig, Fünfundzwanzig, sechsundzwannzig und die Omnibus-Einsrichtlinie gilt für Geschäftejahres, siebenundzwansich Volkende.
00:22:39: Also eigentlich könnte man einen Anklinkart machen und für Vierunzwanziv, Viersundzwantzig, Sechsundzwantsich mal das Nabe in Kraft setzen und dann in einem weiteren Gesetz die sogenannte zweite Welle umsetzen, die ab siebundzwanntzig gilt.
00:22:52: Das ist natürlich politisch schwierig!
00:22:54: Weil die Unternehmen der ersten Welle wollen ein paar Rosinen, der zweiten Welle schon drinnen haben.
00:22:59: Die Unternehmer der zweiten welle wollen sich vielleicht schon frühzeitig darauf vorbereiten.
00:23:05: auch da musste man letztlich einen Kompromiss finden so dass Und diese Kompromisse sind teilweise in der Richtlinie schon angelegt, so erlaubt die omnibus-Richtlinie.
00:23:15: Dass man für Unternehmen der ersten Welle schon den Anwendungsbereich reduziert das haben wir dann letztlich auch gemacht.
00:23:22: Das wussten wir schon bevor die omnipuseins Richtlinien veröffentlicht worden ist.
00:23:27: da wussten wie schon wohin die Reise geht und bei der Beschlussfassung des Nabeck haben wir sozusagen die Unternehmens die dann aus dem Anwendungsbereich komplett fallen würden ab siebenundzwanzig, denen haben wir es freigestellt für fünfund zwanzig und sechsundzwundzig zu berichten.
00:23:46: Also die können freiwillig
00:23:47: berichten.".
00:23:48: Gab es einen Bereich der in der Öffentlichkeit nicht oder kaum diskutiert wurde aber intern in der Formulierung besonders anspruchsvoll war?
00:23:57: Die Formulierung einer solchen Richtlinienumsetzung ist immer sehr ansprachsvoll.
00:24:02: das Das sieht man dem Gesetz gar nicht an, weil im Gesetz steht es... Es wird die Richtlinie in weiten Teilen einfach abgeschrieben.
00:24:12: Wir mussten uns aber trotzdem immer überlegen was bedeutet das konkret?
00:24:16: Was heißt das?
00:24:18: Wir durften aber nicht allzu viel dazudichten, weil es kann natürlich sein dass letztlich der europäische Gerichtshof, ja des Auslegungsmonopol hat das auch anders zu sehen als wir Legisten.
00:24:30: sehr detailreiche Kleinarbeit, also der Teufel steckt immer in Detail.
00:24:36: Was ganz besonders anspruchsvoll ist und das haben wir ja erst sozusagen im Ansatz umgesetzt ist zum Beispiel die Zulassung von independenten Desurance Service Provider.
00:24:46: Das wurde in der Öffentlichkeit nur so diskutiert dass man gesagt hat soll man die zulassen?
00:24:51: Ja oder nein?
00:24:53: Aber das würde bedeuten, dass wir für eine Berufsgruppe völlig neue Ausbildungsvorschriften, Prüfungsvorschriften und Unabhängigkeitsvorschriften erlassen.
00:25:02: Die es ja für die Wirtschaftsprüfer schon gibt!
00:25:04: Das ist ein umfassendes Regelwerk und Kompendium.
00:25:08: Und wenn man das jetzt für die Independent School & Service Provider neu machen müsste... Da haben wir schon damit begonnen.
00:25:16: Wir haben uns überlegt, wie das ausschauen könnte aber das gibt es noch nicht.
00:25:20: da braucht noch eine politische Einigung.
00:25:22: also das ist etwas was zum Beispiel sehr herausfordernd ist.
00:25:25: oder ganz generell praktische Regelung zb wenn man ein Split Audit macht also wenn ein Abschlussprüfer die finanzielle Berichterstattung prüft und ein anderer prüft die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
00:25:41: Wie geht man damit um, dass die beiden Berichtsteile ja aufeinander Bezug nehmen?
00:25:45: Wer prüfte diese Bezugnahmen?
00:25:48: Wer macht die sogenannte Einklangsfeststellung, das der Lagebericht im Einklang mit den Gesetzen steht?
00:25:54: Dazu braucht er Informationen vom anderen Prüfer.
00:25:57: Der andere Prüf ist aber ebenso unabhängig und da liegt am Ende auch einer Verschwiegenheitspflicht.
00:26:02: also das waren lauter winzige Details, die aber in der Praxis wo in der Praxis Fragen aufkommen, die man als Legist idealerweise irgendwie lösen sollte.
00:26:14: Zusammenfasseln was sind jetzt für Sie die drei wichtigsten Botschaften?
00:26:19: Die Unternehmerinnen
00:26:20: über
00:26:21: oder zum Nabequissen müssen.
00:26:24: Ja wenn ich eine Botschaft anbringen darf dann würde ich sagen nehmen sie die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch als Chance für das Unternehmen, das Geschäftsmodell Zukunftsfit zu machen.
00:26:37: Also ich würde diese Nachhaltigkeitsagenten tatsächlich auch beim Vorstand angesiedelt sehen.
00:26:44: Nehmen Sie das nicht als unnötige Zusatzbürokratie sondern versuchen sie dem Sinn zu geben indem sie eine wirklich umfassende Wesentlichkeitsanalyse mit einbeziehung des Deckholders
00:26:58: machen
00:27:00: um einfach das Geschäftsmodell zu erproben und zukunftsfit zu machen.
00:27:04: Das wäre eigentlich die allerwichtigste Botschaft.
00:27:07: Selbst wenn Sie nicht in den unmittelbaren Anwendungsbereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung fallen, sie werden nach bestimmten Daten gefragt werden, bereiten Sie sich darauf vor diese Daten bereit zu haben so wie Sie erheben können?
00:27:24: Manchmal reicht schon eine Bemühungen zu einer ordentlichen Schätzung.
00:27:31: Wenn man sich bemüht, kann man an Daten kommen.
00:27:34: Verfolgen Sie die Entwicklungen und schauen sie, dass Sie Ihre Berichtestattung idealerweise auf eine elektronische Berichterstattung umstellen, damit Sie diese Berichtsmodule elektronisch integrieren können.
00:27:52: Irgendwann werden die berichtspflichtigen Unternehmen ihren Jahres- und Konzernabstoß voll elektronisch machen müssen, das dient letztlich auch den Unternehmern die dann von den Unternehmen in ihrer Lieferkette diese Daten abfragen können.
00:28:08: Zum Abschluss habe ich noch eine persönliche Frage.
00:28:11: Sie haben an einem neuen Gesetz gearbeitet dass viele Unternehmen betrifft und noch lange beschäftigen wird.
00:28:18: wie fühlt sich das an wenn aus legistischer Feinarbeit plötzlich unternehmerische Realität wird?
00:28:25: Ja, ein solches Gesetzesprojekt ist natürlich immer sehr aufregend und wenn es dann im Nationalrat beschlossen wird, ist das mehr oder weniger der Abschluss von einer sehr langen und intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema.
00:28:41: Man rechnet ja damit, dass es jederzeit anwendbar sein sollte – also ich hoffe, dass dieses Gesetz diese Erwartungen erfüllt, die eines gesetzt worden ist.
00:28:54: Ich werde es natürlich weiter begleiten aber wie gesagt nach einem Gesetzesprojekt ist wieder vor einem Gesetzesprojekt.
00:29:04: ich arbeite schon an der Umsetzung der Unibus-I Richtlinie und nehme diese Gelegenheit wahr bestimmte Sachen vielleicht besser zu formulieren und wenn dieses Gesetz dann einmal in Kraft getreten werde ich sicher wieder an einer weiteren Unternehmensberichterstattungsnovelle arbeiten, wo ich dann eingehen kann auf Praxisfragen.
00:29:28: Also in Wahrheit ist ein Projekt nie ganz abgeschlossen, sondern es ist ein erlebenes Ding das weiterarbeitet.
00:29:37: Herr Togalek vielen lieben Dank für das tolle Gespräch, für die Einblicke in das Gesetz und auch für den Einblick in die ... wie heißt das hinter die Kulissen?
00:29:47: Vielen herzlichen Dank für Ihr Kommen!
00:29:49: Sehr gerne.
00:29:50: Danke für die Einladung!
00:29:52: Vielen Dank fürs
00:29:53: Zuhören,
00:29:54: schön dass Sie dabei waren.
00:29:56: Folgen sie BDO-Austria flinkt in und vernetzen sich mit mir um keine Podcastfolge zu verpassen.
00:30:01: Möchten auch Sie einmal mein Gast werden oder haben Sie einen Wunschstimme für eine neue Folge?
00:30:05: Dann schreiben Sie mir doch gerne eine Nachricht.
00:30:07: Bis zum nächsten Mal – wir freuen uns auf Sie.
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